Was
macht ihn aus, den Reiz der Stadt Greiz?
Wer
von den zahlreichen Aussichtspunkten auf den Anhöhen die Stadt erblickt,
der ist überrascht von der Schönheit der Stadtanlage. Der Reiz
der Stadt Greiz ist die Natur, in die sie eingebettet ist. Aber auch der Charakter
der ehemaligen Residenz eines alten Fürstenhauses prägt diese
Stadt:
Das
Obere Schloß, das mit seinen Renaissancegiebeln hoch über der
Greiz thront und dessen Bergfried durch seine barocke Haube etwas an Wehrhaftigkeit
verliert und an Heiterkeit gewinnt. Das aber manchmal auch durch seine
Erhabenheit und Mächtigkeit den "kleinen Mann" unten in den engen
Altstadtgassen fast erdrückt. Leider hat man mit der Renovierung des Schlossturmes
auch die typische Barockhaube verändert, was vielen
Greizern, weniger gefällt.
Der
Greizer
Park, gestaltet nach dem Vorbild englischer Landschaftsparks, paßt
sich mit seiner kunstvollen Gartenlandschaft einzigartig in die ihn umgebende
Landschaft des Elstertales ein. Man muß diesen Park zu allen Tages-
und Jahreszeiten erleben um ihn zu entdecken und zu begreifen.
Das
Sommerpalais im Greizer Park, einst Sommersitz der Fürsten, mit seinen
einmaligen Kunstschätzen an Büchern und Kupferstichen ist weit
über Greiz hinaus bekannt.
In
der Altstadt bilden Unteres Schloß, Alte Wache, Lyzeum, Gymnasium
und Stadtkirche ein einzigartiges Ensemble des Klassizismius.
An
alten fürstlichen Bauten bleibt noch der Marstall zu nennen, der trotz
Denkmalschutz in einem jämmerlichen Zustand sein Dasein bis zum Abriß 2006
dahinfristete.
Ehrliche
und fleißige Männer verhalfen der Stadt in einem neuen, dem
industriellen Zeitalter, zu wirtschaftlichen Glanz und Ruhm. Die Arbeit
zog Menschen an, die Stadt platzte aus ihren Nähten.
Neues
Wahrzeichen der Stadt waren rauchende Schlote. Sie brachten Wohlstand aber
auch der Stadt Greiz das Prädikat eine der an Smok reichsten Städte
zu sein. das ist seit dem starken Rückgang der Industrie vorbei -
einziger Vorteil der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt nach der Wende.
Im
Laufe des 19. Jahrhunderts entsteht die Greizer Neustadt. In prunkvollen
Villen siedeln sich die wohlhabenden Greizer Fabrikanten in Bahnhofsnähe
an. Greiz hatte damals eines der modernsten Fernsprechämter Deutschlands.
Der
Stolz der Stadt wird die Carolinenstraße, die Prachtstraße
der Greizer, im Stil der Gründerzeit erbaut.
In
der Altstadt von Greiz entsteht ein heute noch einmaliges Jugendstilensemble
von Wohnhäusern zwischen der Markt- und der Thomasstraße. Der
letzte verheerende Stadtbrand in Greiz hatte Baufreiheit "geschaffen" und ein gewonnener
Krieg gegen Frankreich brachte Wohlstand in die Stadt.
Doch
die arbeitende Bevölkerung schaffte es oft nicht über ärmlichste
Lebensverhältnisse hinaus. Verbesserte Lebensbedingungen entwickelten
sich erst mit verstärktem sozialen Engagement der Unternehmer und
der Gesellschaft im 20. Jahrhundert. Es entsteht ein Hallenbad und zahlreiche
soziale Einrichtungen und eine Vielzahl an Turnhallen und Sportstätten.
Die
Stadtbrände haben leider nicht viel an alter Bausubstanz in Greiz
erhalten, die den historischen Baukörper der Fürstenresidenz
repräsentierte. Dafür entstanden nach dem letzten großen
Stadtbrand einzigartige Ensembles im Stil des Neoklassizismus. Noch einmal
repräsentierte sich damit die fürstliche Macht . Doch schon ab
der Mitte des 19. Jahrhunderts dämmert die neue Macht des Kapitals
in Greiz herauf. Die Stadt hat, obwohl der Fürst dem mächtigen
Preußen abhold ist, das erste Bismarckdenkmal Deutschlands. Die Industriellen
setzten sich mit der Aufstellung des Dekmals durch und mit Ende des Ersten Weltkrieges ist die Macht des Fürsten
ohnehin zu Ende.
Vieles,
was die Stadt prägte, verfiel und verkam in der Zeit der kommunistischen
Ära. Aber nicht der Kommunismus allein war Schuld an der Entwicklung
nach einem verheerenden Zweiten Weltkrieg. Viele der Greizer Unternehmer
hatten sich mit dem System des Dritten Reiches identifiziert und manchmal
schwere Schuld auf sich geladen. Sie mußten nach Westen flüchten,
als Greiz in die russische Besatzungszone kam.
Trotz
kalten Krieges und Embargos des Westens entwickelte sich in Greiz eine
leistungsstarke Industrie weiter. Erst nach der Wende kam das rigorose
Aus einer angeblich maroden Industrie.
Viele
der ehemaligen Unternehmer oder deren Nachfolger sicherten ihre Pfründe
nach der politischen Wende 1989. Zurück kamen die wenigsten Unternehmer,
was auch einer verfehlten Treuhandpolitik zu schulden ist. Aber 50 Jahre
seit Ende des 2. Weltkrieges waren vergangen und so war die alte Unternehmerelite
im Westen längst neu etabliert.
Warum
hätte sie nun in Greiz investieren sollen? - Leider sind das Tatsachen.
Auch
die letzte Zeit seit der politischen Wende zeigt nicht nur positive Erscheinungen
für diese Stadt:
Die
Neustadt mit ihren mondänen Villen ist ohne Leben. Viele Gebäude
sind unbewohnt. Altehrwürdige Häuser, darunter der Marstall und
typische alte Bürgerhäuser verkamen. Die Zeugen der industriellen
Entwicklung, die Produktionsgebäude, verschwinden und hinterlassen
unansehnliche Industriebrachen. Konsumtempel machen sich allenthalben auf
den freien Flächen breit. Sie tragen mit ihrer Einheitsarchitektur
auch nicht nur positiv zum Stadtbild bei. Ein Kaufhaus in der Stadt zu
etablieren scheiterte aus vielerlei Gründen. 20 Jahre Altstadtsanierung haben
die Altstadt zu einem Schmuckstück werden lassen.
Hinter diesem Areal, das zum Sanierungsgebiet gehört
fällt ein typisches Gebäude nach dem anderen. Greiz
verliert dadurch auch sein Flair.
2011 wurde in der Greizer Neustadt ein neues Theater,
die Vogtlandhalle,
eröffnet. Sie ersetzt das Greizer Theater und soll
das Kulturleben in der Stadt verbessern helfen.
Wird dieser neue Musentempel angesichts leerer Kassen,
die andere Theater infrage stellen, bestehen können?
Beim
Bau der Schloßbrücke und der Neustadtumgehung wurden vielleicht
große Chancen vertan Greiz zur effektivsten Verkehrslösung zu
verhelfen. Die Fernstraßen, die Aufschwung ermöglichen, harren
ihres Ausbaus. Zu den Autobahnen der Region sind die Verkehrswege nicht
die besten.
Ja,
das wußten schon meine Vorfahren zu bemängeln, in Greiz geht
alles anders als anderswo. An was das liegen könnte, wer weiß
das schon genau.
Aber
eines steht fest. In Greiz hat sich seit dem industriellen Aufschwung im
19.
Jahrhundert ein "Stadtadel" herausgebildet. Wehe, was und wer dem nicht
in den Kram paßt...
Das
Resümee
Das
Gute soll man immer zuerst nennen, und das habe ich damit erledigt, indem
ich
die
Chronik der Stadt Greiz vom Anbeginn der Gründung begann. (Sie ist
jetzt auf einer extra Seite positioniert.)
Was
am Ende steht, oder mit des Kanzlers der Wiedervereinigung Helmut Kohls
Worten:
"Was
hinten rauskommt"... ist
weniger positiv oder es wird erst wieder besser werden.
Wie
auch immer Greiz hat sich verändert - nicht nur negativ. Die
Stadt hat ihr Einheitsgrau ablegen können. Jedoch die Zeit der rassanten
industriellen Entwicklung der Stadt ist nun zu Ende.
Greiz
entwickelt sich demographisch und als Industriestandort rückwärts,
und was dabei herauskommt, das bleibt abzuwarten.
Begonnen
hat dieser Exitus nicht erst, wie man das gerne darzustellen pflegt, mit
dem Ende der kommunistischen Ära und den daraus resultierenden Hinterlassenschaften
einer Mangelwirtschaft.
Nein,
dieser Exitus wurde eingeläutet mit einem verlorenen Zweiten Weltkrieg,
der dieser Region seine Unternehmerschaft entrissen hat, und nach 1989
in der Konzeptionslosigkeit der Treuhandpolitik und der Raffgier von "Unternehmern"
eines neuen Types, der sich zu denen mit ehrlichen Absichten gesellte,
gipfelte. Hoffen wir, daß irgendwann ein neuerlicher industrieller
Aufschwung der Stadt und seinen Bewohnern zu neuem Wohlstand verhilft.
Im
Augenblick schwelt die Hoffnung auf kleiner Flamme. Viele Menschen verließen
Greiz ge´n Westen um Arbeit zu finden. Andere haben das nicht geschafft,
und haben manchmal aufgegeben. Andere wiederum versuchten sich an und in
der Stadt skrupellos zu bereichern.
...
warten wir es ab, was dabei herauskommt.