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Kilometer grenzüberschreitend wandern
Auf dem Anton-Günther-Weg Der Friedhof von Gottesgab (Bozi Dar) |
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| © Wolfgang Trommer | ZUR HAUPTSEITE GÜNTHERWEG WEITERBLÄTTERN GÜNTHERWEG HÖLLE VON JOACHIMSTHAL / JACHYMOV | . |
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Das erste Mal sind wir an einem schneereichen Wintertag auf Skiern über den nur im Winter geöffneten Grenzübergang für Fußgänger am Deutschen Gehau nach Bozi Dar (Gottesgab) herüber gewandert. Eisiger Wind blies uns die Eiskristalle ins Gesicht und hatte den Schnee zu meterhohen Wehen an der Friedhofsmauer am Rande des kleinen Städchens auf dem Erzgebirgskamm aufgetürmt. Die Schneewehen verwehrten zwar den Zugang, ermöglichten uns dafür einen Blick über die Mauer des Friedhofes, der in der friedvollen winterlichen Stille vor uns lag. Die alten eisernen Grabkreuze hoben sich in einmaliger Schönheit vom weißen Schnee ab. Im Sommer aber sollte man
den Friedhof unbedingt besuchen. Er ist ein Zeugnis einer Zeit, in der
der größte Teil der Bevölkerung von Gottesgab deutscher
Abstammung gewesen ist.
Anton Günther war im Jahre 1876 in eine sehr bewegte Zeit hineingeboren. Er kämpfte noch für die Österreichisch-Ungarische Monarchie, und erlebte nach dem ersten Weltkrieg ihren Untergang. Die Nationalisierung Tschechiens brachte mehr und mehr Repressalien und Probleme für die Deutsche Minderheit. Die Überquerung der Sächsisch-Böhmischen Grenze war seit Menschengedenken völlig problemlos. Jedoch wurde mit Gründung der Tschechoslowalischen Republik und erst recht nach der Machtergreifung Hitlers diese Grenze mehr und mehr zu einem Hindernis, daß auch Auftritte des Sängers im nahen Oberwiesental beeinträchtigte. Anton Günther empfand wohl als sensibler Mensch, was da herauf dämmerte, ohne das gesamte Ausmaß der kommenden Vertreibung auch nur zu erahnen. In Depressivität gefallen schied er 1937 freiwillig aus dem Leben. So blieb es dem von den Erzgebirglern so geliebten Lieddichter und Volkssänger erspart sein Gottesgab zu verlassen, und zu erleben, wie sich diese Grenze nach 1945 zunächst zu einer unüberwindlichen Demarkationslinie mit Stacheldraht verwandelte. Nachdem die Deutsche Bevölkereung wie nach tschechischem Sprachgebrauch "ausgewiesen" worden war, wurde Bozi Dar dann zum Sperrgebiet, denn der Abbau des Urans begann. Nun wurde auch die Tschechische Bevölkerung ausgesiedelt. Heute liest man, daß "... die Bevölkerung nicht bleiben mochte ..." Von der Menschenvernichtung durch Strahlung, Folter und schlimmste Bedingeungen in den 18 Konzentrationslagern in den Wäldern zwischen Joachimsthal und Gottesgab (Bozi Dar) liest man nichts. Die Hölle von St. Joachimsthal (Jachymov) soll vergessen gemacht werden. Heute erst, nach 50 Jahren
kehrt die Normalität langsam wieder ein. Die Wunden, die der Uranbergbau
hinterlies sind vernarbt. Die Grenze wird durchlässiger, wenn bisher
auch nur an Stellen, wo das Vorteile für die Tschechische Seite brachte,
so sind seit Beitritt der Tschechischen Republik zur EU viele Wanderübergänge
an der "grünen Grenze" entstanden.. Jedoch wird es noch lange dauern,
ehe diese Region wieder zu dem wird, was sie einmal war, eine Region ohne
Grenzen in der Mitte Europas, in der die Vergangenheit bewältigt und
aufgearbeitet werden konnte
Mit der Vertreibung nach
1945 mußten viele Gottesgaber ihre Heimat verlassen. Viele sind in
fremder Erde begraben. Für alle in der Fremde und auf diesem Friedhof
begrabenen Gottesgaber bittet eine Inschrift auf einem schlichten Stein
um den himmlischen Frieden. Eine Geste der Aussöhnung aber auch eine
leise Mahnung für folgende Generationen:
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