60 Kilometer grenzüberschreitend wandern:
Auf dem Anton-Günther-Weg
Von Rittersgrün nach Halbe Meile (Halbmeil) 
und weiter nach Johanngeorgenstadt 
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© Wolfgang Trommer

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Halbmeil 910 m ü. NN

Halbmeil (Böhmische Seite):

1945 
9 Wohnhäuser mit Schule und einer katholischen Kapelle
bis 1953 dann abgerissen
Halbe Meile (Sächsische Seite)
4 Wohnhäuser

 

Über die Grenze auf der deutschen Seite der Ort Halbemeile.  Auf der böhmischen Seite künden nur noch die aufgelassenen Reste der Siedlung vom Fleiß seiner Bewohner.
"Grenzidylle":

Wo heute eine Gedenktafel auf Deutscher Seite an den einstigen Ort Halbmeil auf böhmischer Seite erinnert, Baumstämme, ein Graben und das tschechische Grenzschild den Grenzverlauf markieren, war nach 1945 Stacheldraht und später die gelben Schilder der DDR-Grenze.

  

Nachtrag zur Geschichte und Gegenwart des Ortes 
Halbemeile / Halbmeil:

So nachzulesen auf einer vom Erzgebirgsverein Breitenbrunn liebevoll gestalteten Tafel die an der Grenzlinie zu Böhmen an die Ereignisse der Vertreibung der Deutschen Bevölkerung und an die Zerstörung einer Kulturlandschaft erinnert. (siehe Bild oben)

 

1546

versprach im Prager Vertrag Herzog Moritz vom Sachsen dem Böhmischen König Ferdinand für dessen Waffenhilfe im Schmalkaldischen Krieg einen Teil der 
Herrschaft Schwarzburg.

1548

erstmalig in einer Bergordnung König Ferdinands das "Bergwerk auf den Mückenberg" genannt

1558

nach langem Streit, weil bergbautechnisch wertvoll geworden auf Abtretung eines südlichen Abschnitts der Herrschaft Schwarzenberg geeinigt.
Ausgangspunkt der neuen Grenzziehung war die Verbindungslinie der Quellen des Großen Ortsbaches und des Mittenbaches - weiter der Verlauf des Mückenbaches -
So entstand der "Entenschnabel" Dadurch Trennung des Ortes Mückenberg oder Halmeile.
(5 Kilometer oder eine halbe sächsische Meile  vom Mutterdorf Breitenbrunn entfernt)

1582

erstmalig in Grubenakten

"uf der halben Meil" erwähnt.

1592

"Ehrlicht zwey Häuslein ufm Finkenfloch sonst uf der halben Meil" auf der Karte von Oeder als heute Sächsischen Teil dargestellt.
Als bergbauliche Ansiedlung entstanden dienten die Waldwirtschaft, eine Essighütte (Buchenessig) zur Farbstoffherstellung für die Kattan-Druckerei und die Landwirtschaft mit Getreide- und Kartoffelanbau sowie außergewöhnlich artenreiches Grünland für eine erfolgreiche Viehzucht der bis zu 68 Einwohner zählenden Ansiedlung.

 


 

Fast am Ende des kleinen Ortes Rittersgrün quert eine alte Bergstraße vom Fichtelbergmassiv kommend die Fernstraße hinauf nach Oberwiesenthal um gleich wieder steil bergan den anderen Hang des Tales zu überwinden. Diese Straße ist ausgezeichnet als Teil des Anton-Günther-Weges und führt durch tiefe Bergwälder in etwa einer Dreiviertelstunde hinauf zur Siedlung Halbemeile.
Auf dem Weg dorthin kann man noch eine sehr alte Bergtanne mit einem Stammumfang von dreieinhalb Metern und einer stattlichen Höhe bestaunen. Die Tanne bildete einst den wesentlichen Baumbestand in den Erzgebirgswäldern, bevor mit der Industrialisierung der saure Regen der Industrieabgase die Bestände minimierte und Fichten zur Aufforstung kamen. Auch ein Schaubergwerk gibt es hier heroben in der Einsamkeit der Waldsiedlung, das aber leider nicht mehr besucht werden kann. 

Der Bergbau besiegelte eigentlich das Schicksal des kleinen Ortes Halbemeile, der durch Aufteilung des Landes und damit  der Aufteilung der reichen Erzfunde im Mittelalter in einen Böhmischen und in einen Deutschen Ortsteil geteilt wurde. Diese Teilung hatte zunächst keine großen Auswirkungen, wenn man davon absieht, daß die Leute auf der böhmischen Seite katholisch sein mußten, und ansonsten des Landes verwiesen werden konnten. Diesem Umstand der Vertreibung der Protestanten aus Böhmen ist die Gründung von Städten wie Johanngeorgenstadt zu verdanken. Und die Geschichte zeigt Krieg und Vertreibung gehören offensichtlich in Europa und anderswo zu allen Zeiten zu den unabdingbaren Auswirkungen.

Erst mit dem Untergang der Habsburger Monarchie und des aufkeimenden Nationalismus begann der Haß der Tschechen auf die Deutschen in der Grenzregion, die dieses karge Gebirgsland durch fleißige Arbeit zu einer einzigartigen Blüte gebracht hatten, die aber als Fremde im Vaterland der Tschechen betrachtet wurden Und von deutscher Seite waren die Vorurteile gegenüber den Tschechen nicht anders. Die Geschichte geht ihren Lauf...

Mit Ende des Zweiten Weltkrieges war das Ende des kleinen Ortes Halbmeile besiegelt. Das Versprechen der Machthaber des Dritten Reiches das Sudetenland Deutschland einzuverleiben und dann das Müncher Abkommen durch den Einmarsch Deutscher Truppen in Prag verletzend sollte sich für die Menschen dieses Landstriches zu unvorstellbarem Haß umkehren. Haß, der sich über die Jahrhunderte aufbaute. 
Der Umstand im 16. Jahrhundert Böhmen versprochen worden zu sein und damit sein Anwesen nur wenige Meter von der deutschen Grenze entfernt zu besitzen, bedeutete ebenso das Aus wie für viele andere Sudetendeutsche weiter im Landesinneren. Das Schleifen von Anwesen in solcher Grenznähe macht den Wahnwitz dieser Vertreibung erst so richtig deutlich.
Bis 1953 war der größere Teil des Ortes auf der Böhmischen Seite geschliffen. Bis zum heutigen Tag ist nichts aufgeräumt. unter Büschen finden sich die Überreste der Häuser von Halbmeil auf Böhmischer Seite.
Die vier Häuser auf deutscher Seite verstreuen sich in malerischer Lage bis heute auf den artenreichen Bergwiesen des Erzgebirgskammes und künden vom Fleiß der Erzgebirgler, die durch harte Arbeit diese karge Region in einmaliger Weise zur wirtschaftlichen Blüte brachten.

Einen Übergang gbt es an dieser Stelle der Grenze nicht. Den Verlauf der alten  des Ortsstraße ist auf böhmischer Seite durch frisch gepflanzte  Vogelbeerbäume erkenntlich.
Wir folgen der Grenzlinie bis zu der Himmelswiese. Hier, etwa einen halben Kilometer vom Ort entfernt verläßt die alte Salz- und Handelsstraße von Breitenbrunn herauf kommend das Deutsche Hoheitsgebiet um als Gottesgaber Straße hinüber nach Gottesgab (Bozi Dar) zu führen. Hier ist auch der Wanderübergang nach Tschechien.
Die alte historische Straße ist bedeutungslos geworden, nachdem sie einmal wichtige Salz- und Handelsstraße nach Böhmen war, endet sie heute als Touristenübergang an der Böhmisch - Sächsischen Grenze.
Sie erreichte nach kurzer Entfernung auf der Böhmischen Seite den Ort Halbemeile / Halbmeil.


Wir folgen noch ein Stück der Straße um bald nach Westen in Richtung Johanngeorgenstadt  weiter zu wandern. 
Durch einsame Wälder erreichen wir die Preishausbuche, die den Standort des Preishauses heute markiert. Heimatfreunde aus Breitenbrunn pflanzten 1966 eine neue Buche anstelle des alten Baumes. Auf der alten Poststraße führt der Weg hinab nach Pachthaus und Wittigstal, von dort führt der Wanderweg  weiter nach Johanngeorgenstadt oder über die Grenze nach Breitenbach (Potucky).

Der Wanderstempel  von Rittersgrün
(Rittersgrün ist ein in Geheimtipp für den Eisenbahnfan)

Zur Geschichte des Preishauses:
Einsame Waldhäuser haben seit jeher etwas besonderes an sich. An einer Grenze um so mehr.
Den Standort des 1846 abgerissenen Preishauses in der Waldeinsamkeit zwischen Breitenbrunn, Rittersgrün und Johanngeorgenstadt unweit der sächsisch-böhmischen Grenze markierte eine uralte Rotbuche, die eine Tafel mit folgender Inschrift trug:

"Einst Mittelpunkt der Waldhäuser Preishaus, die im Jahre 1400 ungefähr gegründet und 1846 abgebrochen wurden. 
Im Hohlraum warteten die Grenzer "Paschern" auf.

Das Preishaus hatte viele Besitzer. Einer davon hieß Preis, wonach nun der Name "Preußisches  Waldhaus auf dem Rabenberge" wurde. Doch mit Preußen hat es nichts zu tun.

Dafür hatte auch das Preishaus seine schaurige Moritat, die im Volksmund allbekannt gewesen ist. 
Diente doch die Waldeinsamkeit und die nahe Grenze zu Böhmen den Schmugglern und Grenzgängern als ideales Refugium:

Der böhmische Pascher Josef Eigler wurde beim illegalen Passieren der Grenze von der Grenzwache erschossen und hinterließ sechs arme Weisenkinder.

Ja, das Leben war karg und hart heroben auf dem Erzgebirgskamm. Es forderte arbeitsame und rechtschaffenen Menschen, die halt manchmal auch ein bissel "Dazuverdienst" brauchten. Doch die Obrigkeit griff hart durch.

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