GREIZ im Kalenderblatt Oktober 2006
 
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Die Rotunde im Greizer Park

 

 

 

 

Angesichts der heftigen Diskussionen um die Verlegung des Sowjetischen Ehrenmales am Eingang des Greizer Parkes an einen peinlicherweise zunächst nicht festgelegten neuen Standort muß man sich fragen, warum nicht im Bereich der Rotunde für alle Opfer dieser Weltkriege ein Denkmal unter Einbeziehung der Plastik des Bildhauer Jürgen Raue gestaltet wird. Der Platz wäre vorhanden und würde sicherlich allen Seiten gerecht werden. (Laut letztem Beschluß des Stadtrates und mit Protest der PDS wird die Plastik nun im alten Friedhof einen würdigen Platz finden.)

 

Vom Schloßberg herab betrachtet wird das Schattendasein der Rotunde in unserem Greizer Park offenbar. Nahe der Parkgasse dient sie etwas am Rande des Parkes als Mahnmal der Opfer der Kriege.

Erbaut worden war die Rotunde 1787 um als japanisches Porzellanhaus zu dienen. Später auch genutzt als katholische Kapelle für eine Fürstin im protestantischen Reußenlande.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde sie zum Krieger-Mahnmahl für die Gefallenen dieses Ersten Weltkrieges. Dem ersten der beiden Kriege des 20. Jahrhunderts, der so vielen Greizern das Leben gekostet hatte, daß für die Namen der Opfer des Zweiten Weltkrieges kein Platz mehr an den Wänden der Rotunde wäre.

Die eindrucksvoll den in fremder Erde einsam und sinnlos fallenden Soldaten darstellende Bronzefigur wurde vom bedeutenden Dresdener Bildhauer Professor Karl Albicker geschaffen und 1926 gegen den Willen reaktionärer Kreise aufgestellt. Zu sehr warnte die Plastik vor dem Kriegswahnsinn, der dennoch wieder über das Land hereinbrechen sollte.

"Euch Lebende ruf ich" trägt die Rotunde als Aufschrift an der Außenfassade. Die Mahnung "Nie wieder imperialistischer Krieg!" im Innenraum  verschwand nach der politischen Wende 1989.

Wer immer diese Eiferer der neuen angeblich so meinungsfreien Zeit waren, sie konnten wohl aus Mangel an Mitteln die Spuren dieser Inschrift nicht ganz tilgen. An die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges erinnert nunmehr ein durch eine Privatperson gestifteter Grabstein, der sich leider nicht so recht in das künstlerische Gesamtbild des Mahnmahles einfügen will. Immerhin ein kleiner Versuch der Menschen in Greiz zu gedenken, die für den Macht- und Bereicherungswahn des deutschen Kapitals ihr Leben gelassen haben. Die Stadt Greiz war dazu bisher nicht in der Lage.

 

© Wolfgang Trommer