GREIZ im Kalenderblatt März 2007
 
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Die Schlacht von Zickra

 

 

 

Auch Greiz sollte vom Kapp-Putsch nicht verschont werden. Die Parlamentarier des kleinen Volksstaates Reuß hatten sich von Gera nach Greiz in Sicherheit gebracht. Am 20.März 1920 kam am Morgen die Nachricht in die Greizer Betriebe, daß sich um Greiz Reichswehr zusammen zog. Man griff zu den Waffen, die man im Schützenhaus der Greizer Neustadt versteckt gehalten hatte. Weitere Waffen wurden aus den etwas ominösen Beständen des Landrates konfisziert.

Arbeiterwehren aus Zwickau, Werdau, Zeulenroda und Gera verstärkten die Kampfverbände der Greizer. In dem kleinen Örtchen Zickra auf den Höhen zwischen Weida und Berga/Elster kam es zum Kampf, der sich zugunsten der Arbeiterwehren entschied. Einmalig in der Geschichte dieser Auseinanderstzungen war, daß die Arbeiterwehren die Reichswehrleute zur Unterzeichnung einer Kapitulationsurkunde zwangen. Diese Kapitulationsurkunde wurde im ehemaligen Gasthof von Zickra unterzeichnet.

Während der Kampfhandlungen ließen Menschen ihr Leben. Unter den Toten waren die Greizer Richard Schiller und Max Fleischer, die auf dem Friedhof in Greiz-Aubachtal eine würdige Ruhestätte gefunden haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg benutzte man diesen Kampf von Zickra für die Darstellung der Macht der Arbeiterklasse. Man fand in diesen Kämpfen eine gute Begründung um die Notwendigkeit der Wehrhaftigkeit des Arbeiter- und Bauernstaates gegen die inneren und äußeren Feinde durch Armee und Kampfgruppen der Arbeiterklasse in der DDR darzustellen.

Jedes Jahr gedachte man der Märzgefallenen in Greiz Aubachtal. Zunächst zogen Einheiten der kasernierten Volkspolizei aus Greiz nach Aubachtal, später dann die Einheiten der betrieblichen Kampfgruppen und zahlreiche Greizer aus den Betrieben. Nach einer Kundgebung vor der Aubachtaler Turnhalle wurden Kränze am Grab der Märzgefallenen von der Parteiführung der Stadt niedergelegt und Salut geschossen. Später errichtete man eine monumentale Gedenkstätte in Zickra, wo die Gedenkfeierlichkeiten des Bezirkes Gera am 20. März jeden Jahres stattfanden.

 

Nach der politischen Wende 1989 wurde es still um dieses Ereignis. Heute existiert die Gedenkstätte in Zickra nicht mehr. Der Bürgermeister wollte keine Wand mehr haben, hinter der jeder seine Notdurft verrichten konnte, und so wurde das Denkmal entfernt. Ein schlichter Stein in einer begrünten Verkehrsinsel erinnert an das Geschehen von 1920. Der Text verschweigt die Kapitulation der Reichswehrleute und die Einmaligkeit, daß in jener Zeit eine Kapitulationsurkunde der Reichswehr abgerungen wurde.

 

 

Viele schlimme Jahre sind in Deutschland vergangen ehe es in diesem Land tatsächlich demokatische Verhältnisse geben sollte. Traumatisiert kamen die Männer, die der Hölle des Stellungskrieges entronnen waren, aus dem Ersten Weltkrieg nach Hause. Die zu Hause geblieben waren hatten Entbehrungen und Hunger hinter sich. In Kiel hatte ein Arbeiter- und Matrosenrat die Macht übernommen. Der Generalstreik überzog ganz Deutschland und erreichte an 9. November 1918 Berlin. Bis zum 8. November 1918 traten die deutschen Fürsten reihenweise ab. Der Krieg war verloren, der Kaiser dankte ab, wenn auch nicht aus eigenem Entschluß.

Am 9.November 1918 wurde die Republik gleich zweimal ausgerufen: Scheidemann rief aus einem Fenster des Reichstages die "Freie Deutsche Republik" aus und Karl Liebknecht rief von einem Balkon des Berliner Stadtschlosses die "Sozialistische Republik" aus. Ebert wurde Reichskanzler. Der Kaiser ging ins Exil nach Holland und wurde für seine Kriegsverbrechen nie zur Rechenschaft gezogen.

Bevor die Nationalversammlung in Weimar zusammen trat sollte viel Blut fließen durch die rasch aus Abenteuerern und kaisertreuen Offizieren zusammengestellten Freikorps, die in ganz Deutschland "erfolgreich" gegen aufständischen Linke vorgingen.

Die ungewisse Zukunft der jungen Demokratie und ihr Schutz kam zunehmend unter den Einfluß reaktionärer Kräfte. Im März 1920 marschierten putschende Freikorps unter der Reichskriegsflagge in das Berliner Regierungsviertel ein und erklärten die Regierung für abgesetzt. und das Parlament für aufgelöst. Der Regierung blieb nichts weiter übrig als zu fliehen.

Der ultrakonservative Monarchist Wolfgang Kapp wurde Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident. Der Kapp-Putsch, der nach diesem Mann Bekanntheit erlangte wurde jedoch durch einen konsequent durch die Arbeiter- und Bürgerschaft geführten Generalstreik niedergeschlagen. Als Reaktion auf den Kapp-Putsch bewaffneten sich in ganz Deutschland die Arbeiter. Sie wurden jedoch mit brutaler Gewalt von den Freikorpseinheiten zerschlagen.

Politische Morde waren in den ersten Jahren der Weimaer Republik an der Tagesordnung, herrschten doch bürgerkriegsähnliche Zustände. Unerbittlich gingen die Freikorps gegen alles vor, was nur "rot" hätte sein können. So verloren in den Wirren dieser Jahre auch viele unschuldige und unbeteiligten Menschen ihr Leben nur weil sie im falschen Moment am falschen Ort waren.

Mit den Morden an den bekannten Persönlichkeiten Walter Rathenau, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht erreichten die politischen Morde Höhepunkte.

In den Wirren der Weimaer Republik war der Samen für das Erstarken der rechten Kräfte in Deutschland gelegt worden. Vorerst war am 9.November 1923 Hitlers Putsch in München gescheitert. In Deutschland waren eindeutig rechte Kräfte am Erstarken. Und Heute?  -   

 

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 © Wolfgang Trommer