Der Köhlersteig...
...ist ein weniger bedeutender Wanderweg,
der am rechten Hang des Göltzschtales durch die Wälder der Irchwitzer
und Reinsdorfer Fluren, dem Sorgwald, von Greiz nach Mylau führt.
Der Köhlersteig erschließt
die Schönheiten des Landschaftsschutzgebietes Unteres Göltzschtal. Teile
dieses Weges sind in den Vogtlandpanoramaweg integriert.
Der besondere Reiz des Weges sind die Ausblicke
von den Felsen, die man über romantische Steige erreicht. Leider sind
diese Steige an den Köhlerspitzen reparaturbedürftig.
Die Beschilderung mit Wegweisern wurde
deshalb kürzlich entfernt. Doch der geübte Wanderer kann die
Stiegen weiterhin begehen. Wer sich das nicht zutraut, der kann über
eine ausgeschilderte Umleitung von der Talbacher Höhe aus zu den Aussichtspunkten
der Köhlerspitzen gelangen. Wie auch immer, lohnen wird es sich allemal.
Ausgangspunkt für Autofahrer ist der
Parkplatz vor der Papierfabrik. Der Weg führt dann über die Serpentinenstraße
hinauf zur "Kolonie", der Arbeitersiedlung der Güntherschen Papierfabrik.
Wer den steileren Aufstieg wählen
will, geht am ehemaligen Gasthaus "Göltzschtal" hinauf zur "Schönen
Aussicht".
Vom Papiermacherfelsen und von der "Schönen
Aussicht" hat man Ausblicke über die Rothentaler Alpen und über
die noch vorhandenen Fabrikanlagen.
Und damit hat man auch schon das Besondere
des Köhlersteiges erstmalig kennengelernt, die Ausblicke von den zahlreichen
Felsen, die da heißen:
Hoher Stein, Zwillingsfelsen, Eidechsenfelsen
und Köhlerspitze.
Der schönste Ausblick bietet sich
von der Köhlerspitze. Sie ist auch im steilen Aufstieg vom Gasthaus
"Waldfrieden" über die sogenannte Grubendrehe erreichbar.
Der Blick auf der Felsenaussicht schweift
von der Göltzschtalbrücke, der größten Ziegelbrücke
der Welt, über die imposante Erhebung des Kleinen Kuhberges bei Netzschkau
sowie über die einmalige Flußlandschaft des Landschaftsschutzgebietes
"Unteres Göltzschtal".
Oben auf der Flur findet sich am Rande
eines Wäldchens ein Gedenkstein, im Volksmund "Russengräber"
genannt. Dabei handelt es sich um eine Gedenkstätte für russische
Kriegsgefangene, die bei der Zwangsarbeit in Landwirtschaft und Industrie
während des Zweiten Weltkrieges den schlechten Bedingungen erlagen.
Die Stätte wird bis heute von ehrenamtliche Helfern gepflegt.
Und wer wie ich Kindheitserinnerungen an
den Köhlersteig hat, der weiß zu schätzen, daß
die Dickichte, Hänge und Felswände am Köhlersteig ein Dorado
für Möchtegernräuber, -indianer, -cowboys und -bergsteiger
zu allen Zeiten waren.
Doch mit Ausrufezeichen sei angemerkt,
daß vor waghalsigen Klettereien ein weißes Kreuz einst warnte.
Von den schroffen Felsen des Hohen Steines
zeugte es vom traurigen Ausgang
einer Kletterpartie.
Heute haben längst die Bergsteiger
die schroffen Felsen für sich entdeckt.
Auch Erwachsene suchten hier das Abenteuer:
Die Kampfgruppeneinheit der Papierfabrik
übte sich zu DDR-Zeiten im Schießen und Kriegsspiel, selbstverständlich
für den Frieden.
Uns Kindern bescherte das allseits begehrte
Patronenhülsen.
Nicht genug für unsere jugendliche
Phantasie. Da mußten auch Höhlen her. Die hatten vor grauen
Zeiten Männer gegraben, die über die Alpen herauf gekommen waren,
die Venetianer auch als Vitalienbrüder bekannt. Sie sammelten Steine
und suchten nach Erz. Ihre geheimsten Informationen über Erzvorkommen
gaben sie dem
nächsten weiter.
So findet sich nahe der Gaststätte
Waldfrieden am Uferhang der Göltzsch ein Stollenmundloch, die Venetianerhöhle.
Hoch oben am Käppelstein (an der Einmündung der Straße
von Netzschkau her - schwieriger Aufstieg)
ist auch ein Stollenmundloch zu finden.
Am Fels finden sich noch die Bearbeitungsspuren
der Bergleute. Am Fuße des Käppelsteins sind
noch heute die Hügel von Erzseiffen deutlich zu erkennen.
Die Venetianer hatten es auf das Gold
abgesehen, das die Göltzsch aus dem Erzgebirge herunter transportierte.
Das Untere Göltzschtal bot aber auch der Industrie des 19. Jahrhunderts gute Bedingungen zur Ansiedlung.
Die Papierfabrik und eine Pappenfabrik,
die Schwarzhammermühle, nutzten Wasser und Wasserkraft der Göltzsch. In Steinbrüchen wurde wertvolles
Gestein für den Straßenbau gewonnen und nahe der Gasstätte
"Waldfrieden", in der "Grubendreh" soll sich in alten Zeiten ein Hammerwerk
befunden haben.
Am Ende der Wanderung lohnt als Ziel die
größte Backsteinbrücke der Welt, die Göltzschtalbrücke.
Wie zurück nach Greiz?
Viele Wege führen zurück nach
Greiz zum
Ausgangspunkt der Wanderung.
Wählt man den Höhenweg über
Reinsdorf, Talbach und Irchwitz,
wird man mit den schönsten
Fernblicken auf die
Göltzschtalbrücke aber auch
auf
Greiz belohnt.
Man kann auch von Talbach hinab
zur Gaststätte "Waldfrieden" wandern und von dort den
bequemen Weg auf der anderen Talseite zum Parkplatz an der Papierfabrik nehmen.
Das Tal selbst bietet keinen
weiteren durchgängigen
Wanderweg an. Man müßte die
stark befahrene Straße bis zur
Gaststätte "Waldfrieden" nutzen. Also geht man besser den
Köhlersteig bis zum Waldfrieden
zurück. Dort erst beginnt wie bereits
beschrieben der Wanderweg auf der linken Talseite.
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Bizarre
Felsgebilde und schöne
Aussichtspunkte
erwarten den Wanderer auf dem Köhlersteig, insbesondere auf den Köhlerspitzen.
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Als
unscheinbares Loch und nur schwer erreichbar präsentiert sich die
Venetianerhöhle am Ufer der Göltzsch.
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Finger und Lieb
hausten hier im Göltzschtal
unter einem höhlenartigen
Felsvorsprung eines Felsens in der Nähe
des Hohen Steines. Zwei Aussteiger die in den
Blütejahren der Industrie in Greiz um
die
Jahrhundertwende so lebten,
daß es im Sommer lustig
war die freie Natur zu genießen
und sich im Winter vom
Schutzmann hinter Schloß
und Riegel bringen zu lassen, um eine warme Stube zu haben.
Ein Aufenthalt im Gefängnis
war auch dann erforderlich, wenn
für staatliche Erhebungen eine Wohnadresse
benötigt wurde. Manchmal hatte im Winter
auch
der Heizer der nahen
Papierfabrik oder einer
anderen
Fabrik ein Einsehen und
die beiden Einsiedler konnten
im Heizhaus nächtigen. Betteln war nicht die Art
der
harmlosen Gesellen.
Sie lebten von gebratener
Katze
und Reis. Dies bereiteten
sie
sich am offenen Feuer in
Blechbüchsen zu. Ihren
Lebensunterhalt besserten
sie
mit Postkarten von ihrem
Höhlenleben auf. Ganze Heerscharen von
Wochenendausflüglern sollen die beiden Wunderlinge an den Wochenenden
besucht haben, um sie zu bestaunen.
Jede Idylle hat auch ihren
Preis. Ein neuer gestrenger Schutzmann verjagte die beiden von der Irchwitzer
Flur.
Fortan wurde das Leben schwerer,
denn auch die Gendarmen auf der Sächsischen Uferseite der Göltzsch
ließen den beiden keine rechte Ruhe.
Doch kein anderer
konnte die Geschichte vom Finger und Lieb besser beschreiben, als mein
ehemaliger Klassenlehrer, der Heimat- und Sagenforscher Rudolf Schramm
WEITER
ZUR STORY VON LIEB UND FINGER
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Leider nur noch teilweise
sind die alten Stiegen erhalten,
die liebevoll von unseren Vorfahren am
Köhlersteig angelegt wurden.
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Wanderung zum Kuhberg
bei Netzschkau
Nicht zuletzt sei angemerkt,
daß man vom Gasthaus
"Waldfrieden" auf einer
wunderschönen Wanderung zum Kuhberg bei Netzschkau
gelangen kann, der vom
Aussichtsturm einen
grandiosen Rundblick
bereit hält.
Von der Grubendreh wandert
man durch den Hammergrund hinauf zum Kleingeraer Ortsteil
Reuth. Von hier führt
der Weg
weiter durch schattigen
Wald
und über Feldwege nach
Brockau. Dann geht es auf
dem
Fahrweg steil bergan zum
Gipfel
des Kuhberges.
Den 511 Meter hohen Berg
krönt der Bismarckturm,
von
dem sich ein grandioser
Fernblick zu Erzgebirge,
Frankenwald, Fichtelgebirge
sowie über
Vogtland und Ostthüringen
bietet.
Einkehrmöglichkeit bietet
die
Kuhbergbaude. Und als
besonders Attraktion für
Jung
und Alt wartet in den
Sommermonaten eine
Gartenbahn auf die Besucher.
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Wer will kann auch der Stadt
Mylau mit ihrer Kirche (Silbermannorgel) und der trutzigen Kaiserburg einen
Besuch abstatten.
Auch kann man das Göltzschtal
weiter wandern bis Lengenfeld. Es gibt ab Mylau auch einen ausgezeichneten
Radweg,der auf der alten Bahnstrecke angelegt wurde.
Diese Bahnstrecke verband
einst Mylau mit Lengenfeld. Eine Verbindungsbahn führte von der Göltzschtalbrücke
hinauf zum Oberen Bahnhof von Reichenbach/V.So war für die Industrie
der Anschluß an die Hauptbahnstrecke und zu den Zwickauer Kohlerevieren
geschaffen. Die Weiterführung der Bahnstrecke von der Göltzschtalbrücke
bis nach Greiz war einmal angedacht, wurde aber nie realisiert.
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LETZTE AKTUALISIERUNG:
25.04.2008
© Wolfgang Trommer
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