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VOGTLANDWANDERUNGEN     RADFERNWANDERWEG WEISSE ELSTER     GREIZ IM KALENDERBLATT  JULI 2008


Auf dem Köhlersteig
zur Göltzschtalbrücke

 

Der Köhlersteig  erschließt das untere Göltzschtal von Greiz bis Mylau. Zahlreiche Felsen bieten herrliche Ausblicke, auch auf die größte Backsteinbrücke der Welt, die Gölzschtalbrücke. Venetianer suchten hier in alten Zeiten nach edlen Steinen und Metallen. Und die Aussteiger Finger und Lieb führten ein lustiges Höhlenleben. Die herrliche Natur und die Felsenlandschaft kann jeder für sich selbst entdecken.


Der Köhlersteig...

...ist ein weniger bedeutender Wanderweg, der am rechten Hang des Göltzschtales durch die Wälder der Irchwitzer und Reinsdorfer Fluren, dem Sorgwald, von Greiz nach Mylau führt.  Der Köhlersteig erschließt die Schönheiten des Landschaftsschutzgebietes Unteres Göltzschtal. Teile dieses Weges sind in den Vogtlandpanoramaweg integriert.

Der besondere Reiz des Weges sind die Ausblicke von den Felsen, die man über romantische Steige erreicht. Leider sind diese Steige an den Köhlerspitzen reparaturbedürftig.  Die Beschilderung mit Wegweisern wurde deshalb kürzlich entfernt. Doch der geübte Wanderer kann die Stiegen weiterhin begehen. Wer sich das nicht zutraut, der kann über eine ausgeschilderte Umleitung von der Talbacher Höhe aus zu den Aussichtspunkten der Köhlerspitzen gelangen. Wie auch immer, lohnen wird es sich allemal.

Ausgangspunkt für Autofahrer ist der Parkplatz vor der Papierfabrik. Der Weg führt dann über die Serpentinenstraße hinauf zur "Kolonie", der Arbeitersiedlung der Güntherschen Papierfabrik. 
Wer den steileren Aufstieg wählen will, geht am ehemaligen Gasthaus "Göltzschtal" hinauf zur "Schönen Aussicht". Vom Papiermacherfelsen und von der "Schönen Aussicht" hat man Ausblicke über die Rothentaler Alpen und über die noch vorhandenen Fabrikanlagen.

Und damit hat man auch schon das Besondere des Köhlersteiges erstmalig kennengelernt, die Ausblicke von den zahlreichen Felsen, die da heißen: 
Hoher Stein, Zwillingsfelsen, Eidechsenfelsen und Köhlerspitze.

Der schönste Ausblick bietet sich von der Köhlerspitze. Sie ist auch im steilen Aufstieg vom Gasthaus "Waldfrieden" über die sogenannte Grubendrehe erreichbar. 

Der Blick auf der Felsenaussicht schweift von der Göltzschtalbrücke, der größten Ziegelbrücke der Welt, über die imposante Erhebung des Kleinen Kuhberges bei Netzschkau sowie über die einmalige Flußlandschaft des Landschaftsschutzgebietes  "Unteres Göltzschtal".

Oben auf der Flur findet sich am Rande eines Wäldchens ein Gedenkstein, im Volksmund "Russengräber" genannt. Dabei handelt es sich um eine Gedenkstätte für russische Kriegsgefangene, die bei der Zwangsarbeit in Landwirtschaft und Industrie während des Zweiten Weltkrieges den schlechten Bedingungen erlagen. 
Die Stätte wird bis heute von ehrenamtliche Helfern gepflegt.

Und wer wie ich Kindheitserinnerungen an den Köhlersteig hat, der weiß  zu schätzen, daß die Dickichte, Hänge und Felswände am Köhlersteig ein Dorado für Möchtegernräuber, -indianer, -cowboys und -bergsteiger zu allen Zeiten waren. 
Doch mit Ausrufezeichen sei angemerkt, daß vor waghalsigen Klettereien ein weißes Kreuz einst warnte. Von den schroffen Felsen des Hohen Steines 
zeugte es vom traurigen Ausgang  einer Kletterpartie. 
Heute haben längst die Bergsteiger die schroffen Felsen für sich entdeckt.
 

Auch Erwachsene suchten hier das Abenteuer: 

Die Kampfgruppeneinheit der Papierfabrik übte sich zu DDR-Zeiten im Schießen und Kriegsspiel, selbstverständlich für den Frieden. Uns Kindern bescherte das allseits begehrte Patronenhülsen.

Nicht genug für unsere jugendliche Phantasie. Da mußten auch Höhlen her. Die hatten vor grauen Zeiten Männer gegraben, die über die Alpen herauf gekommen waren, die Venetianer auch als Vitalienbrüder bekannt. Sie sammelten Steine und suchten nach Erz. Ihre geheimsten Informationen über Erzvorkommen gaben sie dem  nächsten weiter.

So findet sich nahe der Gaststätte Waldfrieden am Uferhang der Göltzsch ein Stollenmundloch, die Venetianerhöhle.

Hoch oben am Käppelstein (an der Einmündung der Straße von Netzschkau her - schwieriger Aufstieg)  ist auch ein Stollenmundloch zu finden.  Am Fels finden sich noch die Bearbeitungsspuren der Bergleute. 
Am Fuße des Käppelsteins sind noch heute die Hügel von Erzseiffen deutlich zu erkennen.  Die Venetianer hatten es auf das Gold abgesehen, das die Göltzsch aus dem Erzgebirge herunter transportierte.

Das Untere Göltzschtal bot aber auch der Industrie des 19. Jahrhunderts gute Bedingungen zur Ansiedlung.
Die Papierfabrik und eine Pappenfabrik, die Schwarzhammermühle, nutzten Wasser und Wasserkraft der Göltzsch. In Steinbrüchen wurde wertvolles Gestein für den Straßenbau gewonnen und nahe der Gasstätte "Waldfrieden", in der "Grubendreh" soll sich in alten Zeiten ein Hammerwerk befunden haben.

Am Ende der Wanderung lohnt als Ziel die größte Backsteinbrücke der Welt, die Göltzschtalbrücke.
 
 

Wie zurück nach Greiz? Viele Wege führen zurück nach Greiz zum Ausgangspunkt der Wanderung. 

Wählt man den Höhenweg über Reinsdorf, Talbach und Irchwitz, wird man mit den schönsten Fernblicken auf die Göltzschtalbrücke aber auch auf Greiz belohnt.



Man kann auch von Talbach hinab zur Gaststätte "Waldfrieden" wandern und von dort den bequemen Weg auf der anderen Talseite zum Parkplatz an der Papierfabrik nehmen. Das Tal selbst bietet keinen weiteren durchgängigen Wanderweg an. Man müßte die stark befahrene Straße bis zur Gaststätte "Waldfrieden" nutzen. Also geht man besser den Köhlersteig bis zum Waldfrieden zurück. Dort erst beginnt wie bereits beschrieben der Wanderweg auf der linken Talseite. 

 

 

Bizarre Felsgebilde und schöne Aussichtspunkte erwarten den Wanderer auf dem Köhlersteig, insbesondere auf den Köhlerspitzen.

 

 

Als unscheinbares Loch und nur schwer erreichbar präsentiert sich die Venetianerhöhle am Ufer der Göltzsch.

 

Finger und Lieb

hausten hier im Göltzschtal unter einem höhlenartigen Felsvorsprung eines Felsens in der Nähe des Hohen Steines. Zwei Aussteiger die in den Blütejahren der Industrie in Greiz um die Jahrhundertwende so lebten, daß es im Sommer lustig war die freie Natur zu genießen und sich im Winter vom Schutzmann hinter Schloß und Riegel bringen zu lassen, um eine warme Stube zu haben. Ein Aufenthalt im Gefängnis war auch dann erforderlich, wenn für staatliche Erhebungen eine Wohnadresse  benötigt wurde. Manchmal hatte im Winter auch der Heizer der nahen Papierfabrik oder einer anderen Fabrik ein Einsehen und die beiden Einsiedler konnten im Heizhaus nächtigen. Betteln war nicht die Art der  harmlosen Gesellen. Sie lebten von gebratener Katze und Reis. Dies bereiteten sie sich am offenen Feuer in Blechbüchsen zu. Ihren Lebensunterhalt besserten sie mit Postkarten von ihrem Höhlenleben auf. Ganze Heerscharen von Wochenendausflüglern sollen die beiden Wunderlinge an den Wochenenden besucht haben, um sie zu bestaunen.

 

Jede Idylle hat auch ihren Preis. Ein neuer gestrenger Schutzmann verjagte die beiden von der Irchwitzer Flur. Fortan wurde das Leben schwerer, denn auch die Gendarmen auf der Sächsischen Uferseite der Göltzsch ließen den beiden keine rechte Ruhe.

 

Doch kein anderer konnte die Geschichte vom Finger und Lieb besser beschreiben, als mein ehemaliger Klassenlehrer, der Heimat- und Sagenforscher Rudolf Schramm


WEITER ZUR STORY VON LIEB UND FINGER

    Leider nur noch teilweise sind die alten Stiegen erhalten, die liebevoll von unseren Vorfahren am Köhlersteig angelegt wurden.

 Wanderung zum Kuhberg bei  Netzschkau

    Nicht zuletzt sei angemerkt, daß man vom Gasthaus  "Waldfrieden" auf einer wunderschönen Wanderung zum Kuhberg bei Netzschkau gelangen kann, der vom Aussichtsturm einen grandiosen Rundblick bereit hält.

    Von der Grubendreh wandert man durch den Hammergrund hinauf zum Kleingeraer Ortsteil Reuth. Von hier führt der Weg weiter durch schattigen Wald und über Feldwege nach Brockau. Dann geht es auf dem Fahrweg steil bergan zum Gipfel des Kuhberges.

    Den 511 Meter hohen Berg krönt der Bismarckturm, von dem sich ein grandioser Fernblick zu Erzgebirge, Frankenwald, Fichtelgebirge sowie über  Vogtland und Ostthüringen bietet. 

    Einkehrmöglichkeit bietet die Kuhbergbaude. Und als besonders Attraktion für Jung und Alt wartet in den Sommermonaten eine Gartenbahn auf die Besucher.

Wer will kann auch der Stadt Mylau mit ihrer Kirche (Silbermannorgel) und der trutzigen Kaiserburg einen Besuch abstatten.

Auch kann man das Göltzschtal weiter wandern bis Lengenfeld. Es gibt ab Mylau auch einen ausgezeichneten Radweg,der auf der alten Bahnstrecke angelegt wurde.
Diese Bahnstrecke verband einst Mylau mit Lengenfeld. Eine Verbindungsbahn führte von der Göltzschtalbrücke hinauf zum Oberen Bahnhof von Reichenbach/V.So war für die Industrie der Anschluß an die Hauptbahnstrecke und zu den Zwickauer Kohlerevieren geschaffen. Die Weiterführung der Bahnstrecke von der Göltzschtalbrücke bis nach Greiz war einmal angedacht, wurde aber nie realisiert.

 

LETZTE AKTUALISIERUNG: 
        25.04.2008 
© Wolfgang Trommer

 

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