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Der Elsterradweg
Mehr über die Braunkohle und Briketts


Die Alte Brikettfabrik
"Herrmannschacht"
in Zeitz

Längst können sich jüngere Generationen nicht mehr vorstellen, wie man zu seinem Brennstoffvorrat für den nächsten Winter gekommen ist.
Moderne Heizanlagen, die mit Gas oder Öl betrieben werden haben den erforderlichen Aufwand und den Schmutz der Kohlefeuerung in Vergessenheit geraten lassen.

Die jährliche Kohlemenge wurde für die Familien mit Bezugsscheinen festgelegt. Diese Kohlemenge war preisgünstiger. Wer mehr haben wollte mußte dann einen höheren Preis bezahlen.

Mancher holte seine Brikett direkt beim Kohlehändler mit dem Handwagen ab. Die Kohle wurde dann auf die Waage geschaufelt und durch Kippen der Waagemulde direkt in den Kohlesack eingefüllt.

In ländlichen Gegenden kam der Kohlehändler mit dem Pferdewagen, der fortschrittliche verfügte über einen LKW für die Anlieferung der Kohle. 

Die Kohle wurde vor dem Haus abgekippt. Dann war oftmals die ganze Familie damit beschäftigt, den Kohlehaufen eimerweise in den Keller zu tragen, wenn nicht die Möglichkeit bestand die Brikett durch ein Kellerfenster zu schaufeln.
Was habe ich als Kind diesen Tag gehaßt, wenn die Einkellerung  auf der Tagesordnung stand! Meißt waren es  40 Zentner Brikett, die dann mühsam in Eimern in den Keller zu tragen waren.


Wer auf seiner Radtour noch einmal ein wenig Vorstellung erhalten möchte, wie aus Rohbraunkohle die begehrten Brikett entstanden sind, und wer den Unterschied zwischen Eierbrikett, Halb- und Vollsteinen kennenlernen möchte, der sollte sich das Technische Denkmal Brikettfabrik "Herrmannschacht" in Zeitz nicht entgehen lassen.
Doch die harte Arbeit in Lärm, Hitze, Staub und Schmutz kann man auch hier nur erahnen.
 
 
 
 

LETZTE AKTUALISIERUNG:
10.03.2004

 © Wolfgang Trommer

Zur Geschichte der Braunkohlenförderung in der DDR

Mit Ende des Zweiten Weltkrieges war aus Mitteldeutschland die Sowjetische Besatzungszone geworden, aus der später die DDR hervorging.

Abgesehen von geringfügigen Steinkohlevorkommen im Zwickau-, Oelsnitz- und Lugauer Revier lagen die anderen Steinkohlevorkommen des ehemaligen Deutschen Reiches in Westdeutschland und in Schlesien. Letzteres gehörte nun zu Polen.
Die geringen Vorräte an Steinkohle in der DDR hatten zur Folge, daß die in größeren Mengen vorkommende Braunkohle die wichtigste Energie- und Brennstoffbasis bildete.

Die Sowjets lehnten Bitten der jungen DDR-Regierung ab zur ökonomischen Sicherung des jungen Staates die Oder-Neiße-Grenze so zu verlegen, daß der kleinen DDR wenigstens die Westschlesischen Kohlereviere und Stettin als Überseehafen zur Verfügung gestanden hätten.

Weil dies nicht möglich war, mußte in einer beispiellosen wissenschaftlichen und technischen Leistung die Voraussetzung geschaffen werden die Braunkohle als Rohstoff-und Energiebasis so effektiv wie immer möglich zu nutzen.

Folge dieser Energiepolitik waren die Zerstörung großer Gebiete einzigartiger Natur und Landschaft, die immense Absenkung des Grundwasserspiegels und eine ungeheure Umweltverschmutzung durch die Abgase der Energie- und Chemieindustrie.

Die Förderung der Braunkohle erfolgte in Tagebauen. Diese Förderart hatte zur Folge, daß bereits vor Beginn der Aufschlußarbeiten eine Entwässerung des Geländes erforderlich war. 
Die Entwässerung zog eine immense Absenkung des Grundwasserspiegels nach sich
Mit riesigen Förderbrücken wurde der Abraum des Deckgebirges hinter den Kohleaufschluß verbracht und somit der Tagebau nach der Kohleförderung fortlaufend wieder zu geschüttet. 

Der Transport über die Förderbrücke ist die kostengünstigste Variante.
Somit kann fortlaufend auch die ausgekohlte Tagebaulandschaft für eine Rekultivierung vorbereitet werden.

Alle Bemühungen diese Tagebaulandschaften wieder zu rekultivieren werden dennoch die ehemaligen Zustände nicht wieder herstellen können.
Das Ergebnis der Rekultivierung bleibt eine monotone, künstliche Landschaft mit Baggerseen und sandigen Kiefernwäldern.

Wer die noch vorhandene bizarre Landschaft des Tagebaues heute betrachtet, der kann sich vielleicht ein wenig vorstellen, wie die Kumpel gegen extremste Witterungsbedingungen bei Kälte, Frost und Schlamm in den Wintermonaten ankämpfen mußten.


 
 
Schema der Kohle- und Abraumförderung
(Kleine Enzyklopädie Technik, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1963)

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