WANDERERLEBNISSE
IN
SACHSEN

D I E   W A N D E R S E I T E N   D E R   F A M I L I E   T R O M M E R
© Wolfgang Trommer

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INDEX  P1  EHEMALIGENTREFFEN 2013 IMPRESSUM

    Eine Einkehr im altehrwürdigen Gasthaus Rollmopsschänke ist ein Erlebnis.

    Das Stuhlbauermuseum der Stadt Rabenau informiert über die alte Tradition der Herstellung von Sitzmöbeln in Rabenau. Ebenso weisen die schönen Ortseingangsschilder auf die lange Stuhlbauertradition der Stadt hin.

 

WANDERVORSCHLAG:

Den Rabenauer Grund erwandert man am besten von Freital-Coßmannsdorf aus den Fluß aufwärts. Am Eingang zum Rabenauer Grund finden  sich auch entsprechende Möglichkeiten zum Parken.

Man nimmt den Wanderweg entlang des Flusses, um die Romantik des Tales und das Rauschen des Wildwassers zu geniessen.
Orte, wie das Nadelöhr, der Nixentump und der Pferdetump werden den Wanderer faszinieren. Allerdings ist ihre einstige Schönheit mit dem Hochwasser für immer vergangen.

Man kann aber auch über den Höhenweg bis Rabenau benutzen um hier wildromantische Felsformationen wie die des Predigtstuhles zu bewundern. Vielleicht sollte man auch einen Abstecher ins Stuhlbauermuseum machen.

Am Bahnhof Rabenau befindet sich die alte Einkehrstätte der Rabenauer Mühle. Hier machte schon der bekannte Maler Ludwig Richter Quartier, der hier das Gemälde "Der Hochzeitszug" malte. Er kam oft in den Rabenauer Grund, um sich von dieser einmaligen Landschaft inspirieren zu lassen.
Damals war der Rabenauer Grund noch ein wildes, fast unzugängliches  Gebirgstal, daß nur durch einen schmalen Fußsteig begehbar war. Man kann sagen, daß Ludwig Richter der Initiator war, diese einmalige Landschaft touristisch zu erschließen. Erschlossen haben es die Müller des Grundes.

 

Von Rabenau geht es dann im Tal weiter bis Spechtritz. Hier geht der Rabenauer Grund in den lieblicheren Spechtritz- und Seifersdorfer Grund über. Hinter dem Ort Seifersdorf steigt man dann bald hinauf zur Talsperre Malter. Nun kann man mit der Kleinbahn zurück fahren oder man erwandert anschließend auf dem Rückweg die

 

Dippoldiswalder Heide

Auf geht's !


LETZTE AKTUALISIERUNG:

02.01.2014

  

DER RABENAUER GRUND

 

... ist für mich in erster Linie eine Erinnerung an meine Lehrzeit in der Stuhlbauerstadt Rabenau. 
Fern des Elternhauses lebte ich plötzlich mit sieben Gleichaltrigen in einem Zimmer des Jungenwohnheimes. Ich war das erste Mal in meinem Leben auf mich gestellt. Der Rabenauer Grund aber war für mich und meine Mitlehrlinge ein ideales Ziel zum Herumstreunen in der Freizeit. Mancher kam in die Einsamkeit des Grundes, um ungesehen von den Lehrkräften mit seiner ersten großen Liebe zu flanieren.

In der Zeit, wenn die Kirschen reiften machten wir aus dem Rabenauer Grund Abstecher in die zahlreichen Kirschplantagen oberhalb des Tales. Dort fielen wir dann ein wie die Stare und schlugen uns die Bäuche mit den köstlichen Kirschen voll. Das Angebot an Vitaminen war mager und auch die Verpflegung der Lehrlinge bestand nur aus einfacher Kost.

Ein Bier kostete damals 48 Pfennige. Als angehende erwachsene Männer gehörte auch das Biertrinken zu den unbedingt notwendigen Ritualen. Nur leider war der Lehrlingslohn mit etwa 40,- Mark sehr dürftig, und man konnte sich diesen Luxus nur seltener leisten.

Zudem hatten die Gaststätten in und um den Rabenauer Grund meistens Ruhetag oder waren zeitig geschlossen. Also mußte man oft weit wandern auf ein Bier und eine offene Gaststätte.

Heute kostet eine Flasche Bier im Wanderquartier der Rabenauer Mühle fast 2,- Euro, also den fast zehnfachen Preis von damals.  Wohlgemerkt, Flaschenbier, ohne Bedienung und nicht einmal gezapft. - Absolute Spitze.

 

 

 

Foto: Jens Weber, Bärenstein

 

 

Die  Spechtritzmühle  ist heute nicht mehr, das Denkmal wurde abgerissen. Der Anblick der bis 2009 noch vorhandenen Ruine schmerzte mich. Gerne sind wir dort in die urige Gaststube eingekehrt auf ein Bier und auf eine der ersten Zigaretten. In den Nebengebäuden der Spechtritzmühle war einstmals eine Fischaufzuchtstation. Die Jungfische wurden in großen Becken zu einer bestimmten Größe gezüchtet, um dann ausgesetzt zu werden. Der Chef dieser Zuchtstation zeigte mir einfach so sein "Reich", und mich als jungen Menschen faszinierten diese neuen Eindrücke immens. Heute erinnern nur noch Mauerreste an die schöne alte Spechtritzmühle.

Die Kleinbahn transportierte damals noch Güter, denn es gab noch viele kleine Fabriken im Tal der Weißeritz. Die Waggons der normalspurigen Bahn wurden noch auf Rollböcken von der Schmalspurbahn transportiert.

Die Wagen der Kleinbahn hatten noch Kohleöfen, und wenn wir spätnachts am Sonntag von zu Hause anreisten, weil der Zug wieder

einmal Verspätung hatte, dann blieb nur noch der letzte "Grunddackel", wie man die Kleinbahn auch noch liebevoll nennt, von Hainsberg hinauf nach Rabenau. Im Winter legten wir erst einmal ein paar Kohlen in den Ofen des Waggons, damit wir es ein bischen warm hatten.

Das ist lange her. Bisher fuhr ich gerne wenigstens einmal im Jahr nach Freital Hainsberg. Das geschieht heute bequem im Auto in etwa zwei Fahrstunden. Dann wanderten wir durch die stille, wildromantische Landschaft des Rabenauer Grundes und genossen eines der letzten Refugien der Natur in unserer so hektischen Welt.

Ich aber denke gerne an meine Lehrzeit in Rabenau zurück und wie es damals war im Rabenauer Grund, denn inzwischen bricht es mir fast das Herz beim Anblick des Rabenauer Grundes. Nicht ein lauschiger und schattiger Wanderweg führt wie auf dem Bild oben, das Herr Jens Weber zur Verfügung stellte, durch den Grund. Eine breite Forststraße hat man dem Naturschutzgebiet verpaßt. Wo geht das mit Naturschutz einher!

Leider ist der Rabenauer Grund heute nicht mehr so schön wie ich ihn einmal kannte. Die schrecklichen Hochwasser des Jahres 2002 haben den Rabenauer Grund einen Großteil seiner einstigen Schönheit genommen. Es war nicht nur eine ungünstige Wetterlage, die das Öffnen des Überlaufes der einst zum Hochwasserschutz errichteten Talsperre Malter notwendig gemacht haben. Es war zu einem Großteil auch der Drang nach Profit. Wie kann eine zum Hochwasserschutz errichtete Talsperre ihrem Zweck nicht mehr oder zuwenigstens teilweise gerecht werden? Doch nur, wenn sie einfach zu voll ist um im Ernstfall Wasser zurück halten zu können. Die Wassermassen, die nach dem Öffnen des Überlaufes zu Tal stürzten haben den Rabenauer Grund wohl für immer seine Schönheit genommen. Den Rest erledigte man dann mit dem Anlegen dieses Fußweges, der eher einer Forststraße gleicht und einer sogenannten Gewässerbereinigung mit schwerer Technik. Die Steine des einstigen Wildwassers hat man wohl gleich mit verbaut. Deshalb ist der Weg durch den Grund heute nicht mehr schattig und das Wasser der Weißeritz verursacht oft ohrenbetäubenden Lärm in ihrem kanalähnlichen Bachbett.Nun sollen Fischtreppen erbaut werden, die statt der Steine im Flußbett den Fischen wieder eine Lebenschance ermöglichen.

Beim Wiederaufbau der Kleinbahn mußten trotz des Protestes von Umweltschützern wertvolle Altbaumbestände der zum Einsatz kommenden schweren Technik weichen.

 

 

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