| DER
BÖHMISCHE STEIG
DIE ALTE HISTORISCHE SALZSTRASSE Jöhstadt - Preßnitzpaß - Burg Hassenstein |
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© Wolfgang Trommer |
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Die Historische Salzstraße - "Der Böhmische Steig" von Jöhstadt über den Preßnitzpaß (CR) bis zur Burgruine Hassenstein (Hasisteijn)
Wir sind das zweite Teilstück der Traditionswanderung auf der Historischen Salzstraße gegangen. Nur den bestens trainierten Wanderern ist die gesamte Strecke von Schlettau bis zur Burg Hassenstein mit insgesamt 43 Kilometern zu empfehlen. Doch auch die Teilstrecke von Jöhstadt (Grenzübergang) bis zur Burg Hassenstein hat es in sich mit ihren 23 Kilometern auf meißt asphaltierter Strecke. Über den Grenzübergang für Fußgänger Jöhstadt / Cerny Potok erreicht man das Tschechische Staatsgebiet. Was den Tschechischen Grenzorten in dieser Region eigen ist, sind Tristesse, Ruinenreste, Brachflächen, wo einst die Gebäude der vertriebenen Menschen gestanden haben und nicht zu vergessen der vielleicht bisher einzige "Boom" des neuen Europa, die Warenstände der Vietnamesen mit ihrem Angebot an billigen Zigaretten, Spirituosen und anderen Waren, die man nicht unbedingt und dringend benötigt. Hier im ehemaligen Ort Sorgenthal ist nicht viel übrig geblieben vom einstigen Gemeinwesen, und auch der Verlauf der Salzstraße ist wohl nicht mehr zu verfolgen. Das Wirtshaus ist intakt, ein kleines Werk wie überall in Europa - geschlossen. Es gibt nirgendwo ausreichend Arbeit. Der Rauch der sehr schwefelhaltigen tschechischen Braunkohle wabert jetzt um unsere Nasen, und noch beeindruckt vom Wandel der Szenerie nach der Grenzpassage verpassen wir die Wanderroute der Salzstraße. (wir werden sie später nachholen.) Wir lernen dadurch aber die alternative Trasse der Salzstraße kennen, die von Pleil (Cerny Potok) in etwa der heutigen Fahrstraße von Weipert (Wejperty) hinauf zum Preßnitzpaß folgt. So lernen wir den anderen Verlauf der Salzstraße erst später kennen, wo die Salzstraße steil bergan den Ort Pleil / Cerny Potok verläßt und gleich ordentlich Kondition erfordert.
Der Tschechische Grenzort Pleil war nach dem Blechhammer der erste Ort, den die alte Salzstraße tangentierte. Entsprechend des Geländeprofiles gab es zwei Trassen in Richtung der Bergstadt Preßnitz, die sich nach der Überwindung der steilen Talhänge vereinigen und geradlinig der Bergstadt entgegenstreben. Die Bergstadt Preßnitz existiert nicht mehr, sie versank in den Siebzigerjahren in den Fluten des Preßnitz-Stausees. Nur der malerische Karlsbrunnen von 1914 und zwei Gedenktafeln am Preßnitzstausee erinnern noch an das Leben in und um die Stadt.
Die Salzstraße umgehrt den Kunstberg mit 849 m Höhe und verläuft dann mit einem faszinierenden geradlinigen Verlauf durch den Wald auf die Preßnitztalsperre (udolny nadrz Prisecnice) zu. Kurz vor der Fahrstraße an der Talsperre sind noch einmal Hohlwege zu erkennen. Die Salzstraße führte nun auf direktem Wege hinab in die freie Bergstadt Preßnitz, die entsiedelt und zur Unkenntlichkeit ihrer Kultur entstellt, in den Siebzigerjahren für immer in den Fluten diese Stausees verschwunden ist. Eine der ältesten Städte des Erzgebirges ist für immer versunken. Nur eine Tafel mit Bild und Chronik der alten Stadt vom Heimatverein der Preßnitzer am Stausee aufgestellt, erinnert an die alte Bergstadt Preßnitz. Vorzüglich ist die Wanderung organisiert. Eine Verpflegungsstelle sorgt für das leibliche Wohl, bevor der Preßnitzpaß vorbei am verschwundenen Ort Reischdorf, der nur noch an undefinierbaren Bodenformationen im Gestrüpp und einem restaurierten Kriegerdenkmal des ersten Weltkrieges auszumachen ist, erreicht wird. Auf der Paßhöhe bietet sich einer der schönstenm Rundblicke der gesamten Wanderung auf der Salzstraße. Weit geht der Blick hinein ins Böhmische Becken mit seinen Kühltürmen und in der Ferne sind bei guter Sicht die hügligen Bergketten des Duppauer Gebirges auszumachen. Steil fällt hier auf der Südseite das Massiv der Erzgebirges ab. Schollenartig hob sich vor Jahrmillionen das Gebirge. Ebenso grandios ist der Blick über das Erzgebirge nach Norden und nach Westen: Einmalig die Massive des Keilberges (Klinovec) und des Fichtelberges. In der Ferne Bärenstein, Schmiedeberger Spitzberg und aus der Nähe grüßen der Haßberg und der Kupferberg (Medenec) mit der prägnanten Kapelle auf dem Gipfel herüber.
Der solide Bau der alten Wehrkirche von Wohlau (Volynè) trotzt seiner Zerstörung. Innen ist die Kirche völlig geplündert. Auf dem Friedhof, zu dem die schöne Kastanienallee führt, baute ein neureicher Tscheche sein Feriendomizil. Aus der Leichenhalle wurde der Bungalow. In der Nähe der Kirche finden sich zwei sehr schöne Sühnekreuze.
Das nächste Ziel ist der ehemalige Ort Wohlau (Volynè), der zu Wohlstand kam, weil mit Ochsenzucht die nötigen Tiere für Vorspanndienste auf der Salzstraße zur Verfügung gestellt werden konnten. Heute ist vom Ort nicht mehr viel übrig. Die Kirche ist verfallen und ausgeräumt, trotzt aber noch immer dem Verfall dank dem soliden Können seiner Erbauer. Auf dem einstigen Friedhof stehen im Dickicht lediglich noch drei jüdische Grabsteine, die offensichtlich im Gegenstz zu den deutschen Grabsteinen nicht entfernt werden durften. Die ehemalige Leichenhalle ist als Bungalow eines neureichen Tschechen ausgebaut... Wir werden von den Hunden verjagt, nicht wissend, daß ein Friedhof auch Feriendomizil sein kann.
Die alte Burg Hassenstein ist das Ziel der organisierten Traditionswanderung auf der historischen Salzstraße von Schlettau bis zur Burg Hassenstein. Gegen ein kleines Startgeld sind Verpflegung und Rücktransport organisiert. Die trutzigen Mauern der ehrwürdigen Grenzfeste Hassenstein lassen die Wichtigkeit der Feste erahnen. Im Kontrast zu den Burgtürmen stehen heute die Kühltürtme im Egertal.
Die letzten 10 Kilometer werden uns zur Tortour, immer bergein und das auf Asphalt tut uns nicht gerade gut. So erreichen wir die alte Burg Hassenstein, und wir sind nicht die einzigen, die geschaftt aber zufrieden bei einem guten böhmischen Bier zu neuen Kräften kommen. Dann erst kann man sich wieder der Besichtigung der mächtigen Burgruine Hassenstein widmen, die zu Verdeitigungszwecken der alten Handelsstraßen von Deutsch Kralup (Kralupy) im 14. Jahrhundert den Grenzverkehr sicherte. Die von uns erwanderte Salzstraße führte einst von Halle über Altenburg, Zwickau und Schlettau hierher zur Burg. Die andere Strecke führte über Sebastiansberg, Marienberg, Chemnitz und Penig nach Halle. Die Eindrücke entlang der Salzstraße gaben uns Kenntnis vom harten Leben auf dem alten Handelsweg, der etwas den Pioniergeist der Besiedelung unserer Region erahnen läßt. Wir wurden ebenso mit der Entsiedelung der Region konfrontiert, die man als Abschluß Jahrhunderte dauernder Konfrontation zwischen Slawen und Deutschen werten muß. |
Besiedelung und Entsiedelung Wer heute den Kamm des Erzgebirges kennenlernt, der findet größtenteils velassene Ortschaften vor. Alte Karten und auch Karten aus jüngster Zeit verraten die Namen der Ortschaften, die nicht mehr existieren. Oftmals sind es nur noch überwucherte Ruinenreste entlang der Straße, die an einen einst blühenden Ort erinnern. Die Menschen, die von diesen Orten vertrieben wurden und deren Nachkommen, haben den tschechischen Behörden immerhin eines nach langem Verschweigen abringen können: Es dürfen jetzt Gedenktafeln errichtet werden und in den Orten werden in der Regel die Denkmäler der Gefallenen des Ersten Weltkrieges restauriert. Diese Denkmäler künden von den einstigen Zentren der Ortschaften und lassen erahnen, wo der Ort einmal gelegen hat. Es ist den Tschechen in den 50 Jahren nach der Vertreibung der ihnen hilflos und ohne jegliche Unterstützung durch die Weltöffentlichkeit ausgelieferten Menschen deutscher Abstammung nicht gelungen diese Gebiete zu besiedeln und in einem niveauvollen Zustand zu erhalten. Im Gegenteil, man hat die Orte bis zur Unkenntlichkeit verkommen lassen. Und am Beispiel des Friedhofes von Wohlau zeigt sich, daß nicht einmal in der heutigen Zeit, in der doch kein Haß mehr vorhanden sein kann, Pietät eine Rolle spielt. Da baut man tatsächlich eine ehemalige Leichenhalle zu einem Bungalow aus. Weekend auf einem Friedhof, auf dem zwar keine deutschen Grabsteine stehen, aber immer noch drei jüdische Grabdenkmale. Erschreckend ist auch der Grad der Verstümmelung der Ortschaften auf dem Erzgebirgskamm. Die neuen tschechischen Siedler kamen, mit allerlei Versprechungen ihrer Regierung angelockt, wohnten ab, was vorhanden war, plünderten und zerstörten.
Bestes Beispiel sind wohl die Ruinen der Kirchen von Wohlau (Volyne) und der weithin größten Kirche von Sonnenberg (Výsluny). Diese mächtige neugotische Kirche grüßte einst, genau auf der steil abfallenden Kante des Erzgebirgskammes gebaut, weit hinaus ins Böhmische Land. Dann kamen die "Neusiedler" und raubten und zerstörten das Gotteshaus. Ende der Fünfzigerjahre wurde die ausgeplünderte Kirche ein Raub der Flammen. Heute bauen Gemeindemitglieder das Gotteshaus mit Spendenmitteln und bescheidener Technik mühsam wieder auf. Die Kirche gehört mit zu den wichtigsten Kulturdenkmalen der Tschechischen Republik.
Beliebig läßt sich die Liste der Anormalität fortsetzen. Kein Ort auf dem Erzgebirgskamm ist mehr das, was er einst war. Orte, die nicht zerstört wurden sind geschrumpft und entstellt. Wir haben schon auf unserer Wanderung auf dem Anton-Günther-Weg beschrieben, wie die altehrwürdige königliche Bergstadt Platten (Horny Blatna) ihrer barocken Bürgerhäuser beraubt wurde. So ließe sich die Beschreibung der Unkultur und Schlamperei fortsetzen, die nichts mit der Armut eines Landes zu tun hat. Die nachfolgenden Links sollen dem Leser weitere Informationen zur Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung aus Böhmen geben. Sie entstanden bei der Beschreibung des Anton-Günther-Weges:
Ein Weltkrieg und unsägliches Leid waren das Privileg des Tschechischen Staates neue Verbrechen gegen die Menschenrechte zu begehen. Gebilligt wurden diese Verbrechen von den Alliierten, die unfähig waren sich über die Gegebenheiten in Kenntnis zu setzen, sowie desinformiert und tatenlos zugesehen haben wie hilflose Menschen ihrer angestammten Heimat beraubt worden sind. Dabei bleibt der bittere Nachgeschmack, denn die Kultur der entsiedelten Gebiete wurde bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Nichts ist geblieben, denn die Tschechen waren leider nicht in der Lage das von ihnen erstrittene Eigentum zu pflegen und zu mehren. "Eigentum verpflichtet" - dieser Satz ist ein Grundsatz jeder demokratischen Rechtssprechung. Offensichtlich aber kennt man weder Pietät noch Rechtsstaatlichkeit beim Theme Vertreibung in Tschechien. Man setzt auf Zeit. Zeit, die vielleicht die Narben der Geschichte und der Landschaft verheilen lassen wird. Doch auf diesen Landschaften wird ein Fluch liegen. Wir haben es jedenfalls auf all´ unseren Wanderungen entlang des Erzgebirgskammes so empfunden.
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Letzte Barbeitung: 23.10.2005 |
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